Dr. med. Silvia Fernández Rodríguez
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin – Kinderkardiologin – Diabetologin DDG
Vom ersten Lebenstag bis zum 18. Geburtstag werden bei eurem Kind in regelmäßigen Abständen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Die U1 findet in der Regel bereits im Kreißsaal statt. Die U2 in der ersten Lebenswoche wird häufig schon bei uns in der Praxis durchgeführt. Bei jeder Vorsorge wird euer Kind ausführlich untersucht, um mögliche Erkrankungen frühzeitig zu entdecken und Störungen in der Entwicklung zu erkennen.
Somit können notwendige Therapien rechtzeitig begonnen werden, um ein möglichst gesundes Wachstum und Gedeihen eures Kindes zu ermöglichen. Bei jeder Vorsorge habt ihr natürlich auch ausreichend Zeit für Fragen! Dokumentiert werden die Untersuchungen in dem gelben Untersuchungsheft, das euch bei Geburt eures Kindes ausgestellt wird.
Die U0 wird eingeführt! Diese Vorsorge richtet sich an Mütter/Eltern ab der 28. SSW. Es werden u.a. Themen der ersten Vorsorgeuntersuchungen besprochen und Informationen zu z.B. Vitamin K, Vitamin D, Impfen und zur Schlafumgebung des Babys vermittelt.
Störungen in der Entwicklung eures Kindes, Unfallfolgen oder auch angeborene Erkrankungen können eine Heilmitteltherapie erforderlich machen. Dazu zählen beispielsweise die Logopädie (Sprech- und Sprachtherapie), die Ergotherapie (z. B. Förderung der Selbstständigkeit und Feinmotorik) sowie die Physiotherapie (Krankengymnastik). Die Verordnung richtet sich nach dem Heilmittelkatalog der Krankenkassen.
Ob bei eurem Kind eine solche Therapie notwendig ist, entscheiden wir gemeinsam mit euch im Rahmen eines persönlichen Termins.
Für die Erstverordnung ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in der Praxis erforderlich.
Folgeverordnungen können unter bestimmten Voraussetzungen auch im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen – die Entscheidung treffen wir individuell.
Wichtig ist: Für jede Verordnung (auch Folgeverordnungen) ist immer ein ärztlicher Termin notwendig – entweder in der Praxis oder per Video.
Bitte vereinbart eure Termine rechtzeitig (mindestens 4 Wochen vor Ablauf des aktuellen Rezepts), um Unterbrechungen der Therapie zu vermeiden.
Die Vorsorgeuntersuchungen begleiten euch und euer Kind vom ersten Atemzug bis ins Jugendalter. Sie helfen dabei, die Entwicklung eures Kindes regelmäßig zu überprüfen und mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Ziel ist es, eure Familie sicher und gut durch die verschiedenen Entwicklungsphasen zu begleiten. Neben den klassischen Untersuchungen in den ersten Lebensjahren (U1–U9) gehören auch die erweiterten Vorsorgen im Schulalter (U10, U11) sowie die Jugenduntersuchungen (J1 und J2), die den Übergang zum Erwachsenenalter begleiten.
Bitte beachtet: Die Kosten für einzelne Vorsorgeuntersuchungen (insbesondere U10, U11 und J2) werden nicht von allen Krankenkassen übernommen. Gerne informieren wir euch hierzu individuell.
Hier erhaltet ihr einen kurzen Überblick über die einzelnen Untersuchungen:
Ein wichtiger Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen ist es, mögliche Auffälligkeiten in der Entwicklung frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen. Deshalb ist die kindliche Entwicklung ein zentrales Thema in der Betreuung bei med4kidz.
Zeigen sich Auffälligkeiten in einzelnen Bereichen wie Sozialverhalten, Sprachentwicklung oder der fein- und grobmotorischen Entwicklung, prüfen wir zunächst, ob eine umfassendere Ursache vorliegt. In seltenen Fällen kann eine allgemeine Erkrankung (z. B. genetische oder neurologische Ursachen, Stoffwechselstörungen oder Folgen rund um die Geburt) dahinterstehen. Dann sind weiterführende Untersuchungen wie Laboranalysen, bildgebende Diagnostik oder andere spezielle Untersuchungen notwendig.
Deutlich häufiger handelt es sich jedoch um eine isolierte Entwicklungsverzögerung in einem einzelnen Bereich.
In jedem Fall erstellen wir gemeinsam mit euch ein individuelles Behandlungskonzept – zum Beispiel mit Frühförderung, Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie – und begleiten euch und euer Kind bei allen weiteren Schritten.
Die Sprachentwicklung eines Kindes beginnt bereits mit der Geburt. Umso wichtiger ist es, von Anfang an mit eurem Kind zu sprechen: Lest ihm vor, schaut gemeinsam Bücher an und begleitet den Alltag sprachlich.
Sollten dennoch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung auftreten, sind unsere Ärztinnen und Ärzte eure ersten Ansprechpartner. Wir prüfen, ob und welche Förderung – zum Beispiel durch Logopädie – sinnvoll ist.
Zusätzlich bieten wir bei med4kidz einen standardisierten Sprachtest für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren (SETK 3–6) an, um die Sprachentwicklung gezielt zu beurteilen.
Wir beraten euch umfassend zu einer sicheren und gesunden Schlafumgebung – damit lässt sich das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich reduzieren. Dazu gehören vor allem eine rauchfreie Umgebung sowie eine angemessene Raumtemperatur ohne Überhitzung (ca. 18–20 °C in der Heizperiode, regelmäßiges Lüften im Sommer).
Euer Baby sollte immer in Rückenlage schlafen. Auf Kissen, Decken, Plüschtiere oder andere Gegenstände im Babybett solltet ihr verzichten. Auch das Schlafen im Elternbett wird nicht empfohlen. Stillen kann das Risiko für den plötzlichen Kindstod zusätzlich senken.
Ergänzend bieten wir das sogenannte Basilaris-Screening im Alter von bis zu 8 Wochen an. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ultraschalluntersuchung, bei der die Hirngefäße dargestellt und die Durchblutung der Basilaris-Arterie bei Drehung des Kopfes gemessen wird – sowohl in Rücken- als auch in Bauchlage.
Sollten sich hierbei Auffälligkeiten zeigen, veranlassen wir eine weiterführende Diagnostik und – falls notwendig – eine Schlafüberwachung mittels Monitor.
Kosten: Das Basilaris-Screening ist keine Regelleistung aller gesetzlichen Krankenkassen und wird daher nicht immer übernommen.
Das Hüftultraschall-Screening nach Graf im Alter von maximal 6 Lebenswochen ist seit über 30 Jahren eine der effektivsten Vorsorgemaßnahmen. Wird eine Fehlstellung der Hüfte frühzeitig erkannt, kann mit vergleichsweise einfachen therapeutischen Maßnahmen ein späteres, oft lebenslanges Hüftproblem verhindert werden. Die Untersuchung erfolgt in der Regel im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3.
Zusätzlich empfehlen wir eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege. Damit können angeborene Fehlbildungen (bei etwa 5 % der Kinder) frühzeitig erkannt und bei Bedarf behandelt werden. Dazu zählen insbesondere Abflussstörungen des Urins oder ein Rückfluss des Urins aus der Blase in die Nieren. Unbehandelt kann dies das Risiko für wiederkehrende Nierenbeckenentzündungen und langfristige Nierenschäden erhöhen.
Kosten: Das Hüft-Screening ist Bestandteil der gesetzlichen Vorsorge und wird von den Krankenkassen übernommen. Die Ultraschalluntersuchung der Nieren ist hingegen nicht bei allen gesetzlichen Krankenkassen im Leistungskatalog enthalten.
Spätestens im Jugendalter (ab der Vorsorgeuntersuchung J1) empfehlen wir ein Screening der Schilddrüse mittels Ultraschall und ergänzender Laboruntersuchung. Bei familiärer Vorbelastung mit Schilddrüsenerkrankungen kann diese Untersuchung auch bereits früher sinnvoll sein.
Darüber hinaus halten wir ein generelles Ultraschall-Screening des Herzens für empfehlenswert, um angeborene Herzerkrankungen auszuschließen. Viele schwerwiegende Herzfehler werden bereits vor der Geburt erkannt. Leichtere Veränderungen können jedoch unentdeckt bleiben, obwohl sie langfristig eine medizinische Bedeutung haben können.
Für die Untersuchung könnt ihr gerne einen Termin in unserem med4kidz-Herzzentrum vereinbaren – idealerweise im ersten Lebenshalbjahr, spätestens bis zum Alter von etwa 6 Monaten.
Kosten: Präventive Screening-Untersuchungen gehören in der Regel nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und werden daher meist nicht übernommen.
Typ-I-Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Ziel moderner Früherkennungsprogramme ist es, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen – idealerweise noch bevor erste Symptome auftreten.
In Bayern könnt ihr im Rahmen der Fr1da-Studie euer Kind im Alter von 2 bis 10 Jahren kostenlos auf frühe Vorstufen des Typ-1-Diabetes untersuchen lassen. Dabei werden bestimmte Autoantikörper im Blut bestimmt, die bereits ein Frühstadium der Erkrankung anzeigen können.
Ein großer Vorteil: Wird ein solches Frühstadium erkannt, können Kinder engmaschig betreut werden und – je nach Situation – auch an Studien teilnehmen, die das Fortschreiten der Erkrankung verzögern oder den Ausbruch hinauszögern sollen.
Für Neugeborene gibt es ergänzend die Freder1k-Studie. Hier wird bereits kurz nach der Geburt anhand weniger Blutstropfen das genetische Risiko für Typ-1-Diabetes bestimmt. Wird ein erhöhtes Risiko festgestellt, erfolgt eine strukturierte Nachbetreuung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, an Präventionsstudien teilzunehmen, die darauf abzielen, die Entstehung der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zu verzögern.
Beide Programme verfolgen somit ein gemeinsames Ziel:
Typ-1-Diabetes so früh wie möglich zu erkennen, Familien optimal zu begleiten und neue Wege zu finden, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln oder ihren Ausbruch hinauszuzögern.
Sprecht uns gerne darauf an – wir beraten euch individuell zu den Möglichkeiten der Teilnahme.
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